Der Ofen wird angeheizt

Roggen, Wasser, Salz. Sonst nichts.

Schwarzbrot aus Natursauerteig, im Holzofen gebacken. Mitten in der Salzburger Altstadt, seit mehr als 700 Jahren.

1. Oktober 2025

Franz und Friedi Grabmer, beide im 80. Lebensjahr, haben sich mit Ende September 2025 aus der Stiftsbäckerei zurückgezogen. Sie bedanken sich bei den treuen Kundschaften und wünschen ihrem Nachfolger Simon Dematté, der die Stiftsbäckerei seit 1. Oktober führt, alles Gute.

Man sieht, was man isst.

Roggenmehl aus der hauseigenen , Weizenmehl aus der Stifts- und Salzachmühle, Holz aus den St. Peter, Energie aus dem , alte , die nicht Museum sind.

Authentizität und Langfristigkeit sind die zentralen Kriterien unseres Betriebs. Der gesamte Produktionsprozess findet vor Ort statt. Verkaufslokal und Backstube sind eins.

Der Hof der Stiftsbäckerei, darüber die Festung Hohensalzburg

Vom Wasser zum Brot

Ein Kreislauf, mitten in der Altstadt.

Wasser

Das oberschlächtige Wasserrad im Hof der Stiftsbäckerei

Ökostrom aus dem Festungsberg.

Seit 2006 wird das Wasser des Almkanals wieder zur Energiegewinnung genutzt. Der Triebwasserstollen im Festungsberg stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts und darf wohl als der weltälteste bezeichnet werden. Er treibt ein oberschlächtiges Wasserrad mit ca. 11 kW (15 PS). Der Strom wird für den Eigenbedarf genutzt und größtenteils ins öffentliche Netz eingespeist.

Das erste Rad hatte nach 12 Jahren ausgedient und wurde Ende 2018 durch ein noch robusteres ersetzt (Video).

Leistung
ca. 11 kW
Stollen
12. Jh.
Rad seit
2006

Mahlen

Die Steinmühle aus Holz mit drei Mühlsteinen

Seit 2010 vermahlt die Stiftsbäckerei ihr Roggenmehl selbst, mit Strom aus der eigenen Wasserkraft.

Franz Grabmer hat dafür eine Kombination aus drei Mühlsteinen mit Siebmaschinen entworfen. Anders als beim Vermahlen in einem Durchgang erwärmt sich das Mahlgut nicht, wertvolle Inhaltsstoffe bleiben erhalten. Gefördert wird pneumatisch und hygienisch. Der größte Mühlstein steht im Vorraum der Bäckerei.

Der Roggen kommt von einem Biobauern im Waldviertel. Ein Jahresbedarf lagert in der Stifts- und Salzachmühle, Unkrautsamen werden dort mit einem optischen Sortiergerät (Sortex) aussortiert.

Mühlsteine
3
Roggen
Bio, Waldviertel

Kneten

Die Knetmaschine Viennara in der Backstube

Für Roggenteige von bis zu über 300 kg braucht es eine kräftige Maschine: die unverwüstliche Viennara, Baujahr wahrscheinlich 1924.

Modell 14 ½, das drittgrößte im Prospekt, mit 330 l Fassungsvermögen. Die Maschine allein wiegt 1120 kg, eine Schale 330 kg. Erworben 1973 von der Heilmayer-Bäckerei (Salzachgässchen, Mülln). Um die Jahrtausendwende wurden die Zahnräder im Getriebe erneuert, sonst ist sie weitgehend im Originalzustand. Geplante Obsoleszenz gibt es hier nicht.

Ein Erlebnis: frühmorgens beim Kneten des Brotteigs oder abends beim Mischen des Sauerteigs. Original-Prospekt (1940) ansehen

Fassung
330 l
Gewicht
1120 kg
Hier seit
1973

Backen

Holzfeuer im Holzofen

Das Kernstück ist der direkt befeuerte Holzofen mit einer inneren Länge von 4 m.

Dort, wo später das Schwarzbrot „eingeschossen“ wird, brennt frühmorgens ein Holzfeuer ab. Die Schamottverkleidung speichert die Wärme stundenlang. Danach wird die Backfläche mühsam von Glut und Asche befreit und mit einem groben Tuch an einer Stange „ausgewischt“, auch zur Temperaturregelung. Der Ofen hat keinen Regelknopf. Fehler in der Vorbereitung würden sich unweigerlich auf das Brot auswirken.

Nach fast 100 Jahren war der alte Ofen am Ende. 2020 wurde er durch einen neuen in gleicher traditioneller Bauweise ersetzt, die Front des alten Ofens blieb.

Länge innen
4 m
Neu gebaut
2020
Regelknopf
keiner

Das St.-Peterer-Brot

Schwarzbrot aus Natursauerteig. Der Sauerteig wird am Vortag angesetzt, am nächsten Morgen kommen nur Roggenmehl, Wasser und Salz dazu. Sonst nichts.

Form
Größe

Laib, 1 kg 4,50 €

4,50 Euro pro kg. Große Brote gibt es auch in Teilen. Sonderwünsche wie ein 2-kg-Wecken auf Bestellung.

Vollkorn aus dem Mühlstein

Das Roggenmehl wird mit unseren Mühlsteinen in mehreren Passagen schonend fein gemahlen. Es wird kein Teil des Korns entfernt. Seit 2015 ist das Roggenkorn aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft.

Hält viele Tage

Sauerteig schützt auf natürliche Weise vor frühzeitiger Schimmelbildung, deshalb ist das Brot bei Weltreisenden beliebt. Brot vom Vortag eignet sich für den sofortigen Genuss sogar besser als ofenfrisches.

In dünnen Scheiben

Das St.-Peterer-Brot ist definitiv anders, vor allem von kompakter Krume. Ob Ihnen das zusagt, finden Sie nur durch Probieren heraus. Schneiden Sie es in dünne Scheiben:

ca. 8 mm

Aus demselben Teig und daneben

  • Gewürzweckerl im Korb

    Gewürzweckerl aus dem Schwarzbrotteig

  • Vintschgerl im Korb

    Vintschgerl

  • Brioche im Korb

    Brioche

Dazu Milchbrotstriezel in zwei Versionen, rein Weizen oder rein Dinkel, und in der Weihnachtszeit Früchtebrot.

Alle Produkte entstehen völlig frei von Backhilfsmitteln, deklarationspflichtigen wie nicht deklarationspflichtigen. Die einzige „künstliche“ Zutat ist Vitamin C, das die Mühle jedem Weizenmehl in geringsten Mengen zusetzt. Weil der Holzofen im Lauf des Tages abkühlt, wird das Kleingebäck (nur dieses) großteils in einem Elektroofen gebacken, betrieben mit unserer Wasserkraft.

Weggeworfen wird bei uns nichts.

Es kann schon einmal sein, dass am späten Nachmittag das Brot ausverkauft ist. Der Philosophie, bis Ladenschluss volle Regale zu bieten und den Rest wegzuwerfen, hängen wir nicht an. Man bedenke: Das in Wien weggeworfene Brot könnte die Stadt Graz ernähren. Was bis abends übrig bleibt, geht bevorzugt an soziale Zwecke, zum Beispiel an die Salzburger Tafel (VIEW).

Deshalb lohnt es sich, vor allem bei größeren Einkäufen, vorzubestellen. Ein Anruf am Vortag oder in den frühen Morgenstunden genügt. Von ½ kg bis über 100 kg wird jeder Wunsch nach Möglichkeit erfüllt.

+43 660 5658717 Brot vorbestellen

Noch ein Tipp: Bringen Sie einen Weidenkorb oder ein Stoffsackerl mit. Darin ist Brot, vor allem warmes, ideal aufbewahrt.

Besuch

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten der Stiftsbäckerei
Montaggeschlossen
Dienstag7-17 Uhr
Mittwoch7-17 Uhr
Donnerstag7-17 Uhr
Freitag7-17 Uhr
Samstag7-13 Uhr
Sonntag und Feiertaggeschlossen

Frisches Brot ab ca. 8 Uhr

Eingang der Stiftsbäckerei mit Laterne und Schild
Stiftsbäckerei St. Peter
Kapitelplatz 8
5020 Salzburg

Zwischen Kapitelplatz und St.-Peter-Friedhof, den Dombögen gegenüber.

Anreise

Die Stiftsbäckerei liegt in der Fußgängerzone und ist die einzige Bäckerei, die in der Altstadt Brot erzeugt und verkauft. Viele Betriebe hat die „ungünstige“ Verkehrslage in den Speckgürtel der Stadt gezogen. Die meisten unserer Kunden kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Öffentlich
Haltestellen Hanuschplatz, Rathaus, Mozartsteg und Herbert-von-Karajan-Platz
Auto
Zufahrt vormittags über den Mozartplatz, Rückfahrt bis spätestens 10:30 Uhr. Gut erreichbar auch über die Mönchsberggarage, Ausgang Toscaninihof.
Unser Brot unterwegs
Mit dem Handkarren auf den Markt und zu nahe liegenden Geschäften. Holz kommt mit einem Erdgasfahrzeug, weitere Strecken fährt ein Plug-in-Hybrid, geladen mit unserer Wasserkraft.

Geschichte

Mehr als 700 Jahre neben dem Petersfriedhof

Man kann davon ausgehen, dass die Mönche von St. Peter seit der Gründung des Klosters Brot gebacken haben.

  1. 1160

    Ab 1160 wird Wasser aus dem Almkanal durch den Stollen im Mönchsberg geleitet. Damit ist der Betrieb eines Mühlrades und das Vermahlen von Getreide möglich. Mit diesem Jahr lässt sich der Beginn der Stiftsmühle und -bäckerei neben dem Friedhof von St. Peter festsetzen.

  2. um 1900

    Die Stiftsbäckerei um 1900, Schwarzweißfotografie
    Die Stiftsbäckerei um 1900. Quelle: SMCA
  3. 1922

    Eine Mühle besteht im hinteren und oberen Teil des Gebäudes bis 1967. Von 1922 bis 1967 nutzt sie die Wasserkraft mit einer Francisturbine.

  4. 1924

    Lateinische Inschrift im Hof der Bäckerei

    „Dass diese Wasser, die durch 8 Jahrhunderte eine Mühle betrieben, überdies noch Licht verbreiten, dafür sorgten Willibald und Petrus, Äbte von St. Peter, Anno Domini 1924.“

    Übersetzung der lateinischen Inschrift im Hof der Bäckerei. Die angesprochene Turbine war bis 1967 in Betrieb.
  5. 1930

    Bruder Kuniald Käsbauer beim Einschießen der Brote
    Br. Kuniald Käsbauer OSB, 1905 bis 1982
    Josef Lackner mit Broten auf dem Arm
    Josef Lackner, 1932 bis 1993

    Vielen älteren Salzburgern ist Bruder Kuniald Käsbauer noch bekannt. 1926 trat der Bauernsohn ins Kloster ein, ab 1930 war er Herr der Pfisterei, der Klosterbäckerei, und das über viele Jahre. Auf ihn geht das Rezept des St.-Peterer-Brotes zurück: runde Laibe mit dunkler, rissiger Kruste, mit weißem Mehl bestäubt. Sein Nachfolger Josef Lackner arbeitete bis 1992 in der Stiftsbäckerei.

    Der Nachruf in den Salzburger Nachrichten vom Mai 1982 trug den Titel So ging nur Bruder Kuniald mit Brot um. Er erzählt, wie der Bruder dreimal am Tag backen musste, wie er Kindern zuliebe Laibe kreiselnd in die Luft warf und jeden Einkauf mit einem „Vergelt’s Gott“ verabschiedete.

  6. 1975

    Franz Grabmer an der Steinmühle

    Franz Grabmer, Jahrgang 1946, wird Geschäftsführer der Stifts- und Salzachmühle und der Stiftsbäckerei, bis 2007. Sein Hauptwerk ist die Verlegung und grundlegende Modernisierung der Salzachmühle vom Standort an der Salzach nach Aiglhof. Er stammt aus einem alten Müllergeschlecht, ist Müller- und Bäckermeister und war bis 2015 Landesinnungsmeister des Mühlengewerbes.

  7. 2007

    Am 1. September 2007 übergibt Franz Grabmer die Mühle an seinen Nachfolger und pachtet die Stiftsbäckerei vom Stift St. Peter. Gemeinsam mit Friedi Grabmer führt er sie bis Ende September 2025. Ein Jahr davor, 2006, dreht sich am Almkanal wieder ein Wasserrad.

  8. 2010

    Die eigene Steinmühle geht in Betrieb. Seit 2015 kommt der Roggen aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft, Ende 2018 ersetzt ein neues Wasserrad das alte.

  9. 2020

    Nach fast 100 Jahren wird der Holzofen neu gebaut, in gleicher traditioneller Bauweise. Die Front des alten Ofens bleibt.

  10. 2025

    Simon Dematté übernimmt die Stiftsbäckerei am 1. Oktober 2025.

Presse

Laut Falstaff (2018) die drittbeliebteste Bäckerei in Salzburg.